Der Künstler hat es schwer sich in die Gesellschaftliche Ordnung einzufügen, so auch seine Wohnung in einem repräsentativen Zustand zu halten, denn ständig wird er von der Inspiration zu höheren Dingen getrieben, die ihm die Ordnung in seinen eigenen Wänden als nicht mehr wichtig erscheinen lassen. So ist es der freischaffende Künstler gewohnt, dass seine Brieftasche im Kühlschrank liegt, die Euroscheckkarte, die längst abgelaufen ist sich neben der zweiten Latte vom Lattenrost unterm Bett befindet. Seine Kontoauszüge um den Toilettenpapierhalter gewickelt sind. Das Staubsaugen entfällt auch, denn unter dem Berg von Noten, die über dem Fußboden verteilt sind, verschwinden schnell die Brotkrümel. Dass sich die Bücher um ihn stapeln, wie der Turmbau zu Babel ist reiner Selbstschutz. Und hat der Künstler in den 50er Jahren noch auf seine quietschende nicht geölte Schreibmaschine eingehämmert, so ist es jetzt ein kleiner Mini Mac, der unter den Büchern verschwunden ist, Maus und Tastatur aber noch gerade die Stellung vor dem Bildschirm halten. Ist die Tastatur es gewöhnt einen Schluck des morgendlichen Kaffees abzubekommen, so begnügt sich die Maus mit den Käseresten, während der Künstler noch mit seinem Kater zu kämpfen hat. Der wahre Künstler muss sich jede Nacht um die Ohren schlagen, um eine neue Quelle der Inspiration aufzutun, von der er dann die nächsten Tage zehren kann, wie ein Hungernder bei einer trockenen Brotkante. Doch die Ansprüche des Künstlers steigen, da er sich immer wieder selber aufs neue übertreffen will. So brummt der Schädel am nächsten Morgen, als hätte ihn jemand in einen Schraubstock gespannt. Damit der Morgen erträglich wird, und er vielleicht noch ein paar Stunden mehr Schlaf erhaschen kann, sind die Fenster mit fingerdicken Vorhängen versehen, die verhindern, dass ihn die Sonne erblinden lässt.
Da aber der Künstler nicht zu einem Messi verkommen soll, braucht er eine Putzfrau, die nicht nur verhindert, dass seine Toilette sich in eine Gaskammer verwandelt, sondern eine Ordnung, in der sich jeder Deutsche zurecht findet herstellt. Auch wenn der begnadete Künstler jetzt von Nietzsche “Jenseits von Gut und Böse” nicht mehr als Fussstütze des Schreibtisches dient, sondern im Bücherregal suchen muss, niemand kann dann mehr sagen, dass die Wohnung verwahrlost wäre.
Damit die Putzfrau mit ihrer Ordnung in ihrer dominanten und aufdringlichen Art und Weise Erfolg hat, ist ein Putz einmal die Woche das mindeste, was eine gute Hausfrau vertreten könnte. So sucht sie den Künstler am Freitag auf, damit die Wohnung zum Wochende in einem gepflegten Zustand ist. In Fachkreisen wird dieses Wochenendputz genannt. Erscheint die Putzfrau am Montagmorgen so ist von der von ihr hergestellten Ordnung nichts mehr zu sehen, denn hier wirkt es als hätte eine Bombe eingeschlagen. Am Wochenende erholt sich der Künstler von seiner schweren Arbeit in der Woche, und macht die Nacht zum Tag, und es scheint, als währen alle weiblichen Gäste vom Kiez bei dem Künstler eingezogen und hätten mit ihm die wildesten Orgien erlebt, dass das neue Babylon wohl im Geiste dieses Künstlers entstanden ist.
Die eifrige Putzfrau hat aber den Zustand der Wohnung bis zum Mittag wieder hergestellt, so dass sich der Künstler in seine Arbeit stürzen kann.
Da aber natürlich der Wochenputz und Wochenendputz nicht ausreichen um die Wohnung in Schuss zu halten, gibt es monatlich den Monatsputz, und Frühjahr, Sommer, Herbst und Winterputz. Doch der schlimmste Putz , dem sich ein Künstler aussetzen muss ist der Jahresputz. Dieser findet einmal jährlich an Silvester statt, und ist der Alptraum eines wahren Künstlers. Bereits morgens um halbsechs wird er dadurch geweckt, dass eine ganze Putzkolonne von putzwütigen Haushaltshilfen ihn aus den Schlaf reißen. Die Decke wird ihm weggezogen, und das ganze Bettzeug abgezogen, um gewaschen zu werden.
Zwei Putzteufel zerren ihn aus dem Bett, und entwenden ihm seinen Schlafanzug, und er findet sich in der Badewanne wieder, in der ihn die Mädels von unten bis oben schrubben. Der Leser wird sich fragen warum das ganze, der Künstler soll den Dreck vom vergangenen Jahr nicht ins neue Jahr mitschleppen, und die Altlasten abschütteln. Sitzt der Künstler nun vor seinem Rechner bibbernd vor Kälte, da die Putzteufel die Fenster sperrangelweit aufgerissen haben, versucht er sich auf seine Arbeit zu konzentrieren, er hält sich an seiner heißen Tasse Kaffe fest, um nicht zu erfrieren. Die Putzfrauen haben ihm nur noch seinen Bademantel gelassen, denn der gesamte Inhalt des Kleiderschranks hat im nahegelegenen Waschcenter alle Maschinen blockiert, die dort vorhanden sind.
Sie saugen und wirbeln um den übermüdeten Künstler rum, der seine Mithilfe nur dadurch verweigert, weil Humoristen wegen ihrer Hämorriden nicht solche Arbeiten übernehmen können.
Wenn die Putzfrauen mit blauen Säcken auftauchen, so weiß der Künstler, dass dies nichts gutes bedeutet, die kannte er bereits von seiner Mutter, die damit Ordnung schaffte, dass alles dort rein wanderte, nach dem Motto, wo nichts ist, ist keine Unordnung. Jedes Jahr verschwindet seine Briefmarkensammlung, die unter seinem Bett liegt. Und selbst sein erster Teddybär, der zwecks fehlender Augen erblindet war, und der scheinbar an Magersucht litt, da er kein Styropor bei sich behielt fiel dem Räumkommando zum Opfer. Auch sein erster Computer konnte nicht gerettet werden.
Der Teppichboden, der scheinbar vom gesamten letzten Jahrhundert von Cafe, Wein und Colaflecken übersät war erscheint nun, als wäre er gerade neu ausgelegt worden. Auch Küche und Bad wirken, als wären sie gerade neu eingebaut worden.
Die Putzfrauen sind in ihrer Sauberkeit so genau, dass sie auch die Badewanne säubern, und übersehen haben, dass der Dreck als Kunst deklariert war. Bei einem Künstler ist oft Kunst nicht von der Realität zu unterscheiden. So kann es durchaus passieren, dass ein großartiges Kunstwerk der Hygiene zum Opfer fällt.
Und roch es Anfangs noch nach Kneipe, so riecht es nach dem Großeinsatz wie im Krankenhaus, und die Putzfrauen können sich um 23:55 Uhr stolz auf die Schulter klopfen, und sind sich sicher, dass diese Sauberkeit bis nächstes Jahr anhält.
Kommt der Künstler jedoch in der Nacht nach Hause, dann sieht die Wohnung anschließend aus, als hätte die Reeperbahn dort Sylvester gefeiert, und am nächsten Tag findet dann der gewohnte Neujahrsputz statt.